Nachlese


Teleangiektasien
OA Dr. E. KERSTAN
4. Med. Abt. Wilhelminenspital der Stadt Wien
16. Juni 2000, Kongresszentrum Alpbach im Rahmen der Fortbildungsveranstaltung "Darmerkrankungen"

Telangiektasien, die häufiger im Colon als im Magen und Duodenum vorkommen, sind bei 5 – 7 % der Patienten die Ursache von Blutungen im oberen Gastrointestinaltrakt. Häufig bei älteren Patienten auftretend, sind sie auch zusammen mit Aortenklappenvitien, chronischer Niereninsuffizienz, Morbus Osler und nach Bestrahlungen zu finden. Eine Sonderform stellt der sog. Wassermelonenmagen dar, dessen rote streifige erwetteden Gefässe longitudinal vom Antrum zum Corpus hin ziehen. Sowohl bei der akuten Blutung, als auch bei der okkulten Blutung im oberen GI Trakt, sind die Angiodysplasien die häufigste Ursache. Man nimmt an, dass ein degenerativer Alterungsprozess, der zu einer chronischen Obstruktion der submukösen Venen führt, die Ursache für ihre Entstehung im Colon ist. Ob im Magen und Duodenum ähnliche Enstehungsursachen anzunehmen sind, ist derzeit nicht gesichert. Das Klinische Spektrum umfasst die akute Blutung mit den Symptomen Haematemesis oder Haematochezie, aber sehr häufig die versteckte, okkulte Blutung ("obscure bleeding") mit chronischer Blutungsanämie. Zumeist sind die Läsionen sowohl im oberen Gastrointestinaltrakt als auch zugleich im Colon vorhanden. So werden bei 15 – 20 % der Patienten mit Läsionen im oberen Gastrointestinaltrakt auch solche im Colon gefunden. Besonders schwierig gestaltet sich die Diagnose, wenn die Angiodysplasien im Dünndarm gelegen sind. Hier bringt das gesamte diagnostische Spektrum von akut durchgeführter Angiografie über nuklearmedizinische Techniken bis zur Endoskope nur in einem Drittel der Fälle ausreichende Aufklärung, die zu einer gezielten Therapie führt. Allerdings stellt sich bei mehr als der Hälfte der wegen okkulter oberer GI Blutung enteroskopierten Patienten heraus, dass letztlich die Blutungsquelle in einem mit dem Gastroskop einsehbaren Bereich gelegen war. Die Therapie kann endoskopisch medikamentös und durch Operation erfolgen. Zumeist wird bei der Operation ein zweizeitiges Verfahren angewendet, sodass der Patzent introperativ endoskopiert wird. Endoskopisch therapeutisch sind die Injektionstherapie, die Thermokoagulation, der Einsatz des Argon Beamers und die Ligatur angewendete Verfahren. Die Datenlage ist inkonsistent und zumeist liegen die Daten in Studien mit nur kleinen Fallzahlen vor oder beschränken sich auf anektotische Berichte. Die Hormontherapie mit Östrogenderivaten beschränkt sich auf Patienten mit diffusen oder unzugänglichen Läsionen, bei denen eine endoskopische Therapie oder Operation nicht möglich ist, oder trotz dieser Behandlungweitere Blutungen zu beobachten sind. Gefässanomalien stellen auch heute noch eine diagnostische und therapeutische Herausforderung in der Gastroenterologie dar.