| Unterschiede in der
Ausbildung zur Endoskopieschwester in Europa Ulrike Beilenhoff DGKS. Präsidentin ESGENA St.Hildegardis Krankenhaus, Endoskopieabteilung, Mainz 09. November 2000 Linz, IVEPA Fortbildungskurs für Endoskopiepersonal |
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| In den einzelnen europäischen
Staaten variieren die Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten im Fachbereich Endoskopie
sehr. Entsprechend der verschiedenen landesspezifischen Weiterbildungssyteme für die
Krankenpflege wurden die unterschiedlichsten Kurse und Modelle entwickelt. Beeinflussende
Faktoren für die Etablierung der verschiedenen Modelle sind neben den jeweiligen
Bildungssystemen auch das Engagement der nationalen Endoskopiefachgesellschaften und der
Endoskopiefachgruppen innerhalb der Pflegeverbände sowie die sehr unterschiedliche
Anerkennung durch offizielle Gremien, sei es durch Ministerien, Pflegekammern oder
nationale Pflegeverbände. Generell ist es in allen europäischen Staaten möglich, direkt nach Abschluß des staatlichen Krankenpflegeexamens / -diploms in der Endoskopieabteilung zu arbeiten, ohne eine zusätzliche Qualifikation aufweisen zu müssen. Neben Krankenpflegepersonal ist in der Mehrheit der Staaten auch anders qualifiziertes Personal in den Abteilungen tätig, wie z.B. Arzthelferinnen oder MRTAs. Für neue Mitarbeiter bedeutet die erste endoskopiespezifische Ausbildung in der Regel das Anlernen durch einen Mentor in der Abteilung oder "Learning by Doing". Seit Mitte der 70er Jahre bestehen eine Reihe von Fortbildungsangeboten (Tab. 1), die die Möglichkeit bieten, Fachwissen auszubauen, Erfahrungen und Informationen im Kollegenkreis auszutauschen, neue Entwicklungen und Techniken kennenzulernen. Parallel zum technischen Fortschritt und der Spezialisierung der Pflege wurde bereits in den 80er Jahren der Bedarf an einer Fachweiterbildung im Funktionsbereich Endoskopie immer deutlicher. So wurden sich Mitte der 80er Jahre in einigen europäischen Staaten die ersten Kurse und Weiterbildungskonzepte entwickelt. Vorreiter dabei war insbesondere Großbritannien (Tab. 3). Wird über Spezialisierung in der Krankenpflege gesprochen und sollen die verschiedenen Modelle und Kurse verglichen werden, sind zuvor einige Definitionen zu klären: Fortbildung ist definiert als Maßnahme, die dem Erhalt und der Aktualisierung der Kenntnisse und der fachlichen Fertigkeiten dient. Die Fortbildung beginnt nach Beendigung der Grundausbildung und setzt sich während des gesamten Berufslebens fort. Sie wird nicht durch einen amtlichen Befähigungsnachweis abgeschlossen (1). Im Fachbereich Endoskopie steht ein umfangreiches Angebot zur Verfügung (Tab. 1). Weiterbildung ist als zusätzliche Qualifikation definiert, die über die der allgemeinen Krankenpflege hinausgeht und als Fachkraft mit fortgeschrittenen Kenntnissen zu Tätigkeiten in einem bestimmten Gebiet der Krankenpflege befähigt. Die Weiterbildung beinhaltet ein offiziell anerkanntes Lehrprogramm, das der/dem Krankenschwester/-pfleger die Möglichkeit bietet, das Wissen und die Erfahrung zu erwerben, um die notwendige Kompetenz in dem betreffenden Bereich zu gewährleisten. Die Lehrprogramme führen zu einem offiziell anerkannten Abschluß und erlauben das Tragen der Berufsbezeichnung "Krankenschwester/-pfleger mit Weiterbildung in der betreffenden Fachrichtung" (1). Die Möglichkeiten, sich im Fachbereich Endoskopie zu spezialisieren, variieren sehr in den verschiedenen Ländern. Um eine Ist-Analyse durchführen und die verschiedenen Modelle vergleichen zu können, hat die europäische Fachgesellschaft ESGENA umfangreiche Informationen aus insgesamt 23 europäischen Ländern zusammengetragen. Die Ergebnisse wurden per Fragebogen ermittelt sowie in verschiedenen Sitzungen der ESGENA zusammengestellt. Der Fragebogen erhob Daten zu Struktur, Inhalt, Organisation und Anerkennung der verschiedene Kurse und Modelle. 63 Einzelfragen mußten insgesamt beantwortet werden. Der Fragebogen wurde an die Repräsentanten und Bildungsexperten der nationalen Fachgesellschaften und Verbände in 25 europäischen Staaten verschickt. Nach Rücklauf konnten 24 von 25 Fragebögen ausgewertet werden. Um die sehr vielschichtigen und umfangreichen Daten der einzelnen Länder miteinander vergleichen zu können, wurde nachfolgend die Kurslänge als Klassifikationskriterium gewählt. Daraufhin konnten drei Hauptgruppen identifiziert werden:
Im folgenden sollen die Charakteristika dieser drei Hauptgruppen näher vorgestellt und miteinander verglichen werden.
1. Länder ohne Kurse und Weiterbildungsmodelle für den Fachbereich Endoskopie Die Analyse des Fragebogens zeigte, daß in 8 von 24 Ländern (Dänemark, Griechenland, Island, Luxemburg, Portugal, Slowakei, Schweiz und Türkei) bisher keine speziellen Kurse oder Weiterbildungsmodelle für den Fachbereich Endoskopie angeboten werden. Dies kann zum einen an der Größe des Landes oder am Grad der Etablierung des Fachbereiches liegen. Diese Länder sind natürlich keine "Blackbox", was das Fortbildungsangebot angeht. Wie in den Nachbarländern, werden auch hier eine große Vielfalt an Fortbildungsmöglichkeiten auf dem Gebiet der Endoskopie angeboten (Tab.1). Die nationalen Endoskopiefachgesellschaften und Verbände dieser Länder sind in der Mehrheit seit Jahren sehr aktiv.
2. Länder, die Kurse und Weiterbildungsmodelle für den Fachbereich Endoskopie anbieten Kurse und Weiterbildungsmodelle für den Fachbereich Endoskopie werden in 16 europäischen Ländern angeboten. Die Mehrheit dieser Modelle ist seit mehr als 10 Jahren etabliert. Die Kurse werden von den nationalen Endoskopiefachgesellschaften und Pflegeverbänden, von Gesundheitsministerien oder Universitäten, Fachhochschulen und akademischen Lehrkrankenhäusern angeboten und organisiert. In 9 Ländern (60%) sind die Kurse ausschließlich auf den Fachbereich Gastroenterologie fokussiert, während 7 andere Länder (30%) neben der Gastroenterologie auch die Pneumologie, Urologie oder Bereiche der Chirurgie, Orthopädie und Gynäkologie behandeln. Die Curricula der verschiedenen Kurse und Modelle haben alle vergleichbare Unterrichtsinhalte, die mit unterschiedlicher Gewichtung folgende Fächer abdecken:
Um die Charakteristika der einzelnen Kurse anschaulicher darzustellen, wurden die Kurse entsprechend ihrer Länge in zwei Untergruppen eingeteilt: 2 a) kurze, intensive Kurse 2 b) längere, berufsbegleitende Kurse und Weiterbildungsmodelle
2 a) Kurze, intensive Kurse: Die kurzen, intensiven Endoskopiekurse werden in 12 Staaten angeboten (Belgien, Finnland, Frankreich, Irland, Kroatien, Niederlande, Österreich, Polen, Spanien, Schweden, Slovenien, Tschechei) und zeigen folgende gemeinsame Charakteristika (Tab. 2): Die Kurslänge variiert zwischen 1-6 Wochen. Die Mehrheit der Kurse (70%) ist auf den Fachbereich Gastroenterologie fokussiert, lediglich in 3 Ländern werden trotz der Kursdauer von 1 / 3 Wochen Teilbereiche der Pneumologie, Urologie, Gynäkologie oder Chirurgie behandelt. Der Unterricht ist bei allen Kursen auf den fachtheoretischen Unterricht ausgerichtet, der fachpraktische Unterricht ist relativ gering. Praktische Einsätze von 1-3 Wochen werden in Frankreich, Polen, Slovenien und der Tschechei angeboten, während in den Niederlanden, Finnland und Irland der praktische Teil durch kurze Besuche in speziell ausgesuchten Abteilungen stattfindet. In 58% müssen die Teilnehmer kurze Prüfungen absolvieren, während bei den anderen Kursen kein Leistungsnachweis gefordert wird. In 6 Ländern (50%) führen die Abschlüsse zu einer offiziellen Anerkennung durch das Gesundheitsministerium oder die nationale Pflegekammer. Es ist interessant sehr zu sehen, daß 70% der o.g. Länder im Fragebogen ihre kurzen, intensiven Kurse von 1-6 Wochen Länge als "Weiterbildung im Fachbereich Endoskopie" definieren. Dabei werden allerdings keine Angaben gemacht, ob die Kurse entsprechend der jeweiligen nationalen Richtlinien für Fachweiterbildungen entwickelt wurden. Nur 30% der Länder deklarieren diese mehrwöchigen Kurse als "Fortbildungsmaßnahme", mit der Begründung, daß die kurzen Endoskopiekurse nicht die Anforderungen der jeweiligen nationalen Weiterbildungsregelungen erfüllen, die für Fachweiterbildungen eine längere Laufzeit, höhere Stundenzahlen, offizielle Lehrpläne etc. fordern.
2 b) Längere, berufsbegleitende Kurse und Weiterbildungsmodelle: Längere Kurse und berufsbegleitende Weiterbildungsmodelle wurden in Belgien, Deutschland, Großbritannien, Israel, Österreich, und Ungarn entwickelt. Auch sie zeigen gemeinsame Charakteristika (Tab 3): Diese Modelle sind in der Regel als berufsbegleitende Kurse organisiert, die über einen Zeitraum von 10 Wochen bis 2 Jahren laufen. Die Kurse beinhalten fachtheoretischen und fachpraktischen Unterricht gleichermaßen. Dabei variieren die Stundenzahlen entsprechend der Kurslänge enorm (80-1700 Stunden). Der Praxisanteil wird in der eigenen Abteilung wie auch in anderen Endoskopieabteilungen geleistet, wobei die Hospitationen zwischen 1-8 Wochen umfassen können. Die Teilnehmer müssen bei allen Kursen eine Prüfung unterschiedlicher Struktur absolvieren. Qualifikationsarbeiten sind bei 3 von 6 Kursen als Prüfungsteil eingebunden. Alle sechs vorgestellten Kurse sind in den jeweiligen Ländern offiziell anerkannt, wobei die anerkennende Institution sehr unterschiedlich ist. Auf die Frage, ob mit diesen Kursen eine höhere Qualifikation (d.h. höher als das Krankenpflegeexamen) erreicht wird, geben trotz allgemeiner, offizieller Anerkennung nur 3 von 6 Länder (Großbritannien, Israel und Deutschland) eine höhere Qualifikation / höheren Ausbildungsgrad der Absolventen an.
3. Länder, die neue Kurse und Weiterbildungsmodelle für den Fachbereich Endoskopie planen In drei europäischen Ländern (Italien, Norwegen und Schweden) werden zur Zeit neue Weiterbildungskonzepte entwickelt (Tab 4). Norwegen wird versuchen, einen kurzen Intensivkurs zu etablieren, der durch den Pflegeverband und Universitäten anerkannt wird. In Italien und der Niederlande sind längere Kurse von ca. 1 Jahr (830-1200 Stunden) in der Vorbereitung. In beiden Modellen sollen verschiedene Fachbereiche unterrichtet werden. Beide Modelle sind so ausgelegt, daß sie die offizielle Anerkennung durch die nationalen Gremien erhalten. Bleibt abzuwarten, ob und wie diese Modelle tatsächlich realisiert und umgesetzt werden können. Nach neusten Informationen haben sich jetzt auch in Spanien und Dänemark Arbeitsgruppen zur Erarbeitung von Weiterbildungsmodellen für den Fachbereich Endoskopie gegründet.
Rechtliche Situation: In jedem europäischen Staat sind unterschiedliche Richtlinien für Fachweiterbildungen zu erfüllen. Zusätzlich werden Richtlinien von europäischen Gremien entwickelt, um das Niveau allgemein anzugleichen, Aus- und Weiterbildungen in der Krankenpflege international vergleichbar zu machen und Voraussetzungen für die Anerkennung der verschiedenen Qualifikationen auf europäischem Niveau zu schaffen. Der "Beratende Ausschuß für die Ausbildung in der Krankenpflege (ACTN)" am Europarat hat erste Empfehlungen für die Fort- und Weiterbildung veröffentlicht (1). Das "European Network of Nursing Organisations (ENNO)" hat eine Arbeitsgruppe eingerichtet, um eine Rahmenrichtlinie mit Minimalanforderungen für Fachweiterbildungen zu erstellen und um ein System für die internationale Anerkennung der verschiedenen Fachweiterbildungen zu entwickeln. Die neue Richtlinie wird im November 2000 verabschiedet werden. Diese neuen Empfehlungen und Rahmenrichtlinien sind in jedem europäischen Mitgliedsland zu berücksichtigen, wenn Kurse und Modelle für Fachweiterbildungen entwickelt und etabliert werden. Zukünftig werden diese Richtlinien auch entscheidend sein, welche Fachweiterbildungen neben der offiziellen Anerkennung im eigenen Land auch auf europäischem Niveau anerkannt werden.
Zusammenfassung: Zur Zeit gibt es in den europäischen Staaten eine Vielzahl von unterschiedlichen Kursen und Weiterbildungsmodellen für den Fachbereich Endoskopie, die einige Gemeinsamkeiten und viele Variationen aufweisen:
Das Resultat dieser Umfrage unterstreicht die Notwendigkeit, die verschiedenen Kurse und Weiterbildungsmodelle für den Fachbereich Endoskopie mehr zu vereinheitlichen, mit dem Ziel die Anerkennung auf europäischem Level zu erreichen. Erste Anstrengungen in diese Richtung wurden durch Einsetzung der ENNO-Arbeitsgruppe gemacht, die, wie oben erläutert, eine Rahmenrichtlinie mit Minimalanforderungen für Fachweiterbildungen sowie ein System für die internationale Anerkennung der verschiedenen Fachweiterbildungen entwickeln wird. Die ESGENA hat eine Gruppe von Bildungsexperten aus jedem Mitgliedsland gebildet, das sogen. "European Endoscopy Nurses Forum (EENF)". In dieser Gruppe werden Informationen zusammengetragen und auf ein europäisches Curriculum für den Fachbereich Endoskopie hingearbeitet.
Tabelle 1: Fortbildungsangebote im Fachbereich Endoskopie:
Tabelle 2: Charakteristika für kurze, intensive Kurse
Tabelle 3: Charakteristika für lange, berufsbegleitende Kurse
Tabelle 4: Neue Kurse und Weiterbildungsmodelle
Verfasser: Ulrike Beilenhoff , Präsidentin der ESGENA
Literatur:
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