Nachlese


Wieviel Zuwendung braucht ein Patient in der Endoskopie?
Ingeborg Glasl
2. Med. Abteilung des LKH Klagenfurt / Endoskopie
Linz, IVEPA Fortbildungskurs für Endoskopiepersonal, 09.11.2000

Dieses Thema umfaßt unsere tägliche Arbeit und den damit verbundenen Umgang mit Patienten. Es ist nicht einfach, über etwas zu sprechen, was unsere Routine betrifft.

Stichwort Routine:

Dabei dürfen wir nie vergessen, dass wir es mit Menschen zu tun haben, die erfüllt sind von Sorgen, Ängsten und Bedenken.

Für viele von ihnen ist der Krankenhausaufenthalt etwas völlig neues und schon Stress genug, um sich mit der ungewohnten Umgebung zurecht zu finden, weiters kommt noch hinzu, dass die Prognosen ihrer Erkrankung ungewiss sind.

Nun wird eine Koloskopie angeordnet und die wenigsten Patienten wissen, wie ihnen geschieht. Eine ärztliche Aufklärung findet statt - vielfach werden Worte verwendet, die der Patient nicht versteht, ist aber leider zu verängstigt um das zuzugeben und den Arzt genauer zu befragen. Dann kommt er zwar vorbereitet, d.h. mit leerem Darm zu uns in die Endoskopie – aber wie steht es mit der psychischen Vorbereitung?

Mit viel Fingerspitzengefühl versuchen wir das zu ergründen. Die Zeit dafür ist kurz und dennoch bemühen wir uns eine Beziehung aufzubauen.

Wichtig: Das Patientengespräch

Sobald uns der Patient übergeben wurde, versuchen wir ihn in ein Gespräch zu verwickeln. Wir begrüßen ihn mit Namen, stellen uns ebenso vor, teilen ihm mit, welcher Arzt die Untersuchung machen wird, fragen ihn, wie es ihm bei der Vorbereitung ergangen ist, ob er das Gefühl hätte gut entleert zu sein und erkundigen uns nach seinem augenblicklichen Befinden.

Mit diesen Sätzen ist der erste Kontakt geknüpft und mit Hilfe unseres 6. Sinnes wissen wir schon, mit welcher Art von Patient wir es zu tun haben. Wie gelassen, nervös oder ängstlich ist er.

Die meisten Patienten fürchten sich vor der Koloskopie - trotz erfolgter ärztlicher Aufklärung - denn das bedeutet nicht, das deshalb die Angst genommen worden ist - oft hört man das Gegenteil.

In kurzen Worten und in der Sprache des Patienten erkläre ich den Untersuchungsvorgang, zeige ihn das Koloskop und mache ihn mit den sonstigen Einrichtungen des Untersuchungs-raumes vertraut, wie z.B. dem Röntgengerät etc.

Außerdem weise ich darauf hin, dass eine Koloskopie durchaus schmerzhaft sein kann - ein Analgetikum und ein Sedativum verabreicht werden und daher die Schmerzen sich in Grenzen halten. Der Patient kann sich besser auf die Untersuchung einstellen, wenn er weiß, was ihn erwartet. Wir sollten uns bemühen, den Patienten zu vermitteln, dass wir seine Ansprechpartner sind und mit Aufrichtigkeit zeigen, dass unsere ungeteilte Aufmerksamkeit während der gesamten Untersuchungsdauer ihm zuteil wird.

Bitte speisen Sie keinen ihrer Patienten mit oberflächlichen Floskeln ab, wie:

" Sie brauchen keine Angst zu haben " etc. Denken Sie bei allen, was Sie ihren Patienten sagen, es wäre ein lieber Freund, oder Verwandter oder Sie befinden sich selbst auf den Untersuchungstisch. Wie wollten Sie behandelt werden? Entmündigen Sie niemanden, indem Sie ihn bevormunden! Führen Sie fachliche aber auch persönliche Gespräche. Hören Sie zu, dem Patienten wird dadurch das Gefühl des Angenommensein vermittelt. Er empfindet sich nicht als Nr. XY. Geben Sie ihm fortwährend das Gefühl, dass er mit seinem Leiden und allen ihn Betreffende im Mittelpunkt steht - diese 1/4 bis 1/2 Stunde absolute Zuwendung von Seiten der Schwester ist bereits 2/3 Erfolgsquote.


Dies wurde mir von sehr vielen Patienten bestätigt, die ich aufgrund dieses Vortrages nach der Untersuchung befragt habe.

Ein weiteres, sehr wichtiges Kriterium für eine erfolgreiche Untersuchung ist das Verhältnis Arzt und Assistenz. Ein gut harmonierendes Team wirkt auf den Patienten sehr positiv, es vermittelt ihm Sicherheit. Die Schwester sollte den Conférencier des Patienten darstellen, d.h. als Sprachrohr dienen, um den Arzt über den jeweiligen Zustand des Patienten zu informieren.

Zu Beginn habe ich auf die menschlichen Regungen hingewiesen, die den Patienten zur Koloskopie begleiten, daran möchte ich nun anknüpfen und sagen, dass wir bei unserer Routinearbeit oft auf das Schamgefühl unseres Patienten vergessen. Erinnern wir uns wieder daran, indem wir Sorge tragen, dass der Patient nie nackt auf den Untersuchungstisch liegt, wenn keine Umkleidekabinen vorhanden sind, die Tür zum Untersuchungsraum während des Ausziehens versperrt ist, geben Sie den Patienten ein Leintuch oder ein Badetuch. Es sind keine großen Taten, die Sie somit vollbringen, aber der Patient wird Ihnen dankbar sein. Sagen Sie ihm auch, dass während der Untersuchung die Unterlage durch Stuhlwasser beschmutzt werden kann und das dies absolut kein Grund für Peinlichkeit ist, sondern ein normales Geschehen - ebenso wenig muß er sich genieren, wenn die insufflierte Luft lautstark entfleucht.

Wenn Sie bemüht sind, stets einfühlend, aufrichtig und mit emotionaler Wärme ihren Patienten entgegen zu treten, werden diese Sie zufrieden verlassen.