| Seit mehreren Jahrzehnten gehören
Ultraschalluntersuchungen zur Basisdiagnostik in vielen Bereichen der Medizin. Mehrfach
wurde auch schon versucht, duch Einführen einer Ultraschallsonde in den Körper dem
Zielorgan näher zu kommen und es auf diese Weise in höherer Auflösung abbilden zu
können. Erwähnt sei hier die transösophageale Echocardiographie, die Vaginal- und
Rektalsonographie. Für den Einsatz im oberen GI-Trakt wurde Anfang
der 80er Jahre eine sehr ausgefeilte Untersuchungseinheit entwickelt, nämlich die
Kombination eines voll funktionstüchtigen Endoskops mit einem Ultraschallkopf den
endoskopischen Ultraschall (EUS).
Ultraschallendoskope für den klinischen Einsatz gibt es seit etwa 10 Jahren, die
Methode findet jedoch gerade in den letzten Jahren wachsendes Interesse.
Es gibt verschiedene Grundprinzipien der Endosonographie:
- Der Radialscanner ist ein um die Endoskopachse rotierender Schallkopf, der ein 360°
Schnittbild normal zur Endoskopachse aufzeichnet. Dieses Prinzip galt jahrelang als
Standardtechnik, da sie einen guten Überblick über die Strukturen rund um den Schallkopf
ermöglicht und die Wand des oberen GI-Trakts nahezu lückenlos abgefahren werden
kann.Großer Nachteil ist jedoch, dass man Läsionen zwar erkennen und beschreiben kann,
eine gezielte Gewebeentnahme aber nicht möglich ist.
- Deshalb setzt sich zunehmend der Longitudinalscan durch. Hier liegt die Schallebene in
der Endoskopachse. Nachteil ist zwar der viel kleinere Bildausschnitt und die schwierigere
Orientierung. Allerdings ermöglicht der damit kombinierte Farbdoppler eine sichere
Unterscheidung zwischen Gefäßstrukturen und cystischen Gebilden. Enormer Vorteil ist
aber die Möglichkeit der gezielten Punktion einer aufgefundenen Läsion.
- Sogenannte Minisonden sind sehr kleine Ultraschallköpfe, die man durch den Biopsiekanal
eines Standardendoskops einführen kann und damit während einer Routinegastroskopie
unmittelbar ohne große Vorbereitungen eine Läsion sonographieren kann. Diese Minisonden
haben eine weit höhere Schallfrequenz als Echoendoskope und somit eine wesentlich
geringere Eindringtiefe von maximal 3cm, allerdings eine deutlich höhere Nahauflösung.
Die Untersuchung mit einem Echoendoskop verläuft prinzipiell wie eine normale
Gastroskopie. Der Patient muß nüchtern sein, wird in Linksseitenlage gelagert und sollte
routinemäßig ausreichend sediert werden. Das Komplikationsprofil entspricht dem der
Gastroskopie, dazu kommt jedoch beim Linearscanner das mögliche, jedoch sehr geringe
Punktionsrisiko. Mit der dünnen Punktionsnadel ist es nicht höher als beim
transabdominellen Ultraschall.
Während der Untersuchung wird ein Ballon über dem Schallkopf mit Wasser aufgefüllt,
um optimalen Kontakt zur Schleimhaut herzustellen und Vorlaufstrecke für die Schallwellen
zu erhalten. Dies kann man auch durch Einspritzen von 250-500ml Wasser über den
Biopsiekanal, am besten mit dem Endowasher, erreichen.
Beurteilt werden kann je nach Fragestellung die Wand von Ösophagus, Magen und Duodenum
sowie die jeweils benachbarten Strukturen. Dies sind oberhalb des Zwerchfells große Teile
des Mediastinums mit seinen Lymphknoten, die Aorta und Teile des Herzens.
Vom Magen aus kann man Teile der Leber sehen, einen Großteil des Pankreas, die Milz,
die linke Niere und Nebenniere sowie den Abgang der großen Gefäße aus der Aorta, den
Truncus coeliacus. Aus dem Duodenum läßt sich die Gallenblase, der Gallengang, der
Pakreaskopf und die Pfortader darstellen.
Durch die gute Auflösung werden die einzelnen Schichten der Hohlorgane des GI-Trakts
erkennbar. Die Wand besteht aus 5 Schichten, wobei sich die Mucosa und die Muscularis
propria echoarm abbilden.
Daraus ergeben sich folgende gesicherte Indikationen für den EUS:
- Hauptindikation ist sicherlich die Stadienbestimmung von Tumoren des Ösophagus, Magens,
Pankreas und der Papille. Hier ist die Endosonographie sogar als Goldstandard anzusehen.
Einschränkend ist aber festzustellen, dass zwar regionale Lymphknoten gut erkennbar sind,
entferntere Lymphknoten und Fernmetastasen aber nur schlecht. Besonderes interessant ist
der EUS bei Frühkarzinomen, die ja in letzter Zeit zunehmend endoskopisch durch
Mucosaresektion behandelt werden. Für diese ganz oberflächlichen Tumore, die nur bis
maximal in die Submucosa reichen, sind US-Sonden mit hohen Frequenzen und damit mit hoher
Nahauflösung zu bevorzugen.
- Auch das niedrigmaligne MALT-Lymphom des Magens ist eine Domäne des EUS. Frühe
Stadien, die auf die Magenwand beschränkt sind, können nämlich in einem hohen
Prozentsatz mit einer alleinigen Helicobacter-Eradikation geheilt werden.
- Eine weitere wichtige Indikation ist die Abklärung von unklaren
Schleimhautvorwölbungen bei der Gastroskopie. Mit EUS kann sehr einfach zwischen einem
submucösen Prozess (z.B. Lipom, Leiomyom oder Varizen) und einer Impression von außen
etwa durch ein Nachbarorgan, eine Cyste oder eine Arterie unterschieden
werden. Bei submucösen Tumoren ist meist eine klare Zuordnung zu einer Wandschicht
möglich. Daraus, aus dem Echomuster und aus der Abgrenzung zur Umgebung können
Rückschlüsse auf die Art und die Dignität des Tumors gezogen werden.
- Besonders möchte ich auf die Möglichkeiten der Endosonographie in der
Gallensteindiagnostik hinweisen. Durch die hohe Auflösung kann der EUS Konkremnete von
weniger als 1mm Größe erkennen, sowohl in der Gallenblase als auch im Gallengang. In
manchen Ländern gilt diese Methode bei Verdacht auf Choledochuskonkrement schon als
Untersuchung der Wahl.
Grundsätzlich muss betont werden, dass mittels EUS keine histologische Diagnose
möglich ist. Eine Differenzierung zwischen malignen und gutartigen Veränderungen ist aus
dem Echomuster alleine nicht möglich! Der Verdacht auf Malignität stellt sich allein aus
einem infiltrativem Wachstum und muss daher immer zytologisch oder histologisch
abgesichert werden.
Aus diesem Grund gewinnt in den letzten Jahren in zunehmendem Maße die
endosonographisch gezielte Feinnadelpunktion an Bedeutung. Diese kann aber nur mit dem
Linearscanner durchgeführt werden, da bei diesem die Punktionsachse in der Bildebene
liegt. Dadurch ist die Nadel während des Punktionsvorganges klar erkennbar. Der
Radialscanner eignet sich für die Punktion nicht, da hier die Nadel die Bildebene
durchsticht und sich somit nur als Punkt darstellt. Aufgrund der guten Auflösung können
Läsionen ab etwa 10mm Durchmesser punktiert werden.
Die Punktion wird mit einer Spezialnadel durchgeführt, deren Handgriff auf den
Biopsiekanal geschraubt wird. Die Nadel hat einen Durchmesser von 0,8mm. Durch Anlegen
eines Sogs mit einer normalen Spritze kann zumeist genug Zellmaterial für eine
cytologische Diagnostik gewonnen werden, manchmal auch für Histologie. Grundbedingung
für eine sichere Punktion ist eine ausreichende Gerinnung von > 60% Quick und >
100.000 Thrombozyten, sowie die Sichtbarkeit des Nadelechos während des
Punktionsvorgangs.
Die Komplikationsrate der EUS-Feinnadelpunktion liegt <1%. Es sind vor allem
Infektionen bei Punktion von Pankreaspseudocysten. Daher ist dabei eine
Antibiotikaprophylaxe obligat. Ganz selten können lokale Blutungen auftreten. Bedenken
bezüglich einer Verschleppung von Tumorzellen in den Punktionskanal scheinen
unbegründet.
Indikationen für die EUS-gezielte Feinnadelpunktion:
- Hauptindikation für eine Punktion sind mediastinale Prozesse unklarer Genese. Das sind
meist vergrößerte Lymphknoten. In vielen Fällen kann dadurch eine Mediastinoskopie
vermieden werden. Die Treffsicherheit liegt bei 80-90%.
- Bei Pankreasraumforderungen ist eine Unterscheidung zwischen chronischer Pankreatitis
und Karzinom oft nur durch Punktion möglich. Die Treffsicherheit liegt über 80%,
allerdings sind dafür meist mehrere Punktionen nötig.
- Intramurale Prozesse des Ösophagus oder des Magens bieten sich ebenfalls für eine
Punktion an. Leider kann aber nur in etwa 50% der Fälle aussagekräftiges Gewebe gewonnen
werden, da es sich zumeist um Muskelknoten mit festem Gewebszusammenhalt handelt.
Die Zukunft der Endosonographie liegt sicherlich in der Erweiterung ihres
interventionellen Einsatzes. Dafür werden neue Echoendoskope mit immer dickeren
Arbeitskanälen gebaut und haben oft auch einen Albaran-Hebel.
- Das ermöglicht ein EUS-gezieltes Einbringen von großlumigen Prothesen in
Pankreaspseudocysten für die Drainage in den Magen.
- Punktionssets mit dickeren Nadeln erlauben dann auch vermehrt Gewinnung von Histologie.
Allerdings steigt damit auch das Punktionsrisiko.
- Spezielle Prozessoren erzeugen über eine hochfrequent Minisonde ein 3 D-Bild. So
können Tumore in ihrer gesamten Flächen-und Tiefenausdehnung in einem betrachtet werden,
was große Vorteile für die Planung einer Lokaltherapie bringt.
- Zunehmende Bedeutung wird auch die EUS-gezielte Applikation von Medikamenten bekommen:
- Die bekannte Technik der CT-gezielten Plexus coeliacus Blockade mit absolutem Alkohol
zur Scherzbehandlung bei Pankreaskarzinom oder chronischer Pankreatitis läßt sich
EUS-gezielt rascher und atraumatischer durchführen.
- Die Injektion von Botulinumtoxin bei Achalasie, die derzeit unter endoskopischer Sicht
in den unteren Ösophagussphinkter erfolgt, kann mittels EUS noch gezielter intramuskulär
verabreicht werden und bringt so bessere Ergebnisse.
- Schließlich könnte das gezielte Einbringen von Antitumorsubstanzen in ein inoperables
Karzinom oder Metastasen einen entscheidenden Fortschritt in der Krebsbehandlung bedeuten.
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