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EASL 2020 – The Digital Liver Congress

Von 27.-29. August fand die EASL 2020 (European Association for the Study of the Liver) statt. In den letzten Jahren hat sich der EASL Kongress zu einem Fixpunkt für alle Hepatologie Begeisterten etabliert. Dieses Jahr musste dieser Kongress leider digital abgehalten werden, nachdem er schon von April auf August verschoben wurde. 

Es ist nicht immer einfach Kongresse virtuell stattfinden zu lassen, da der persönliche Aspekt und das „Networking“ verloren gehen. Bei der EASL 2020 wurde diese Problematik gut gelöst. Die Plattform war übersichtlich und Videos auch On-demand verfügbar. Es gab mehrere Vorträge die zeitgleich abgehalten, in „Halls“ übertragen und mit Live Diskussionen ergänzt wurden. Somit konnte man sich, wie bei früheren Kongressen, die Vorträge nach eigenem Interesse aussuchen. 

Bis Dezember 2020 können diese Videos auf der Plattform angesehen werden:

https://easl.eu/event/the-digital-international-liver-congress-2020/

Besonders begeistert hat mich persönlich der Nurse Channel. Hier wurden neue Konzepte, Arbeitsweisen und die Rolle der Pflege in der Hepatologie diskutiert und vorgestellt. Es war faszinierend zu sehen, welchen Durchbruch andere Länder schon in der Hepatologie Pflege erreicht hatten.

Eigene TIPS Nurses (Transjugulärer Intrahepatischer Portosystemischer Shunt) die für die Nachsorge des Patienten/ der Patientin zuständig sind. Ein anderer Vortrag erzählte über TACE Nurses (Transarterielle Chemoembolisation) die für die Betreuung vor-, während und nach der Chemotherapie der Leber verantwortlich sind. Hier wurden auch Vorträge über enge Kooperationen mit der Palliativpflege gezeigt. Gerade bei Lebererkrankungen wird die Palliativpflege erst sehr spät eingeschalten. Durch eine engere Vernetzung kann die Patientenversorgung jedoch verbessert werden.

Besonders hervorgehoben wurde die PatientInnen Schulung und kontinuierliche Betreuung. Die „Liver Care“ steckt gerade in Österreich noch in den Kinderschuhen, aber es war motivierend und mitreißend die Fortschritte anderer Länder zu sehen. 

Es wurden Präventionsprogramme vorgestellt und Tools zur Risikoeinschätzung gezeigt. Insbesondere in den Bereichen Alkohol, Ernährung, Bewegung, präventives Verhalten und Psychische Ausgeglichenheit kann sich die Pflege hier stark einbringen. Es können Gruppenschulung implementiert werden, die viele Patienten/ Patientinnen gleichzeitig und ressourcensparend erreicht. Individuelle Risikoeinschätzungen können Rückfälle und Komplikationen frühzeitig aufzeigen und somit schneller behandelt werden. Gerade bei Lebertransplantationen kann eine frühzeitige Erkennung der Risiken einen Organverlust verhindern und den Patienten/ die Patientin langfristig unterstützen.

Auch neue medizinische Erkenntnisse wurden auf der EASL 2020 präsentiert:

So wurde u.a. eine neue Screening Methode für den niedergelassenen Bereich wurde vorgestellt. Mit der Formel AST (GOT) : ALT (GPT) und einem Ergebnis größer eins, können Zirrhose Patienten/ Patientinnen detektiert werden. Gerade für Hausärzte kann diese Methode eine gute Kennzahl bieten, um Patienten/ Patientinnen in ein Leberzentrum zu überweisen. 

Im Bereich der Fettleber wurden neue medikamentöse Therapien vorgestellt. Voraussichtlich werden diese 2021 zugelassen.

Im Bereich der Hepatitis C wurde vorranging über Eliminationsprogramme diskutiert. Neue Projekte in Gefängnissen und Aufklärungsarbeit in Umfeld von Risikogruppen sind geplant. 

Im Allgemeinen wurde eine klare Befürwortung der TIPS Implantation ausgerochen. Diese Therapie sollte unbedingt weiter vorangetrieben werden. 

Die EASL 2020 war somit ein voller Erfolg und hat trotz digitalem Format alle Erwartungen erfüllt. Wir freuen uns auf ein voraussichtlich persönliches Zusammenkommen auf der EASL 2021, 22-25. Juni 2021 in Amsterdam.