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Elektrische Magenstimulation bei therapierefraktärer Gastroparese

31. Mai 2026 durch
Elektrische Magenstimulation bei therapierefraktärer Gastroparese
IVEPA e.V.


Gastroparese ist ein Syndrom, das durch Motilitätsstörung und verzögerte Magenentleerung ohne Vorliegen einer mechanischen Obstruktion gekennzeichnet ist. Ihre Pathophysiologie ist komplex und geht über die reine Entleerungsverzögerung hinaus. 

Neben motorischen Anomalien wie gestörter Magenakkommodation, pylorischer und antroduodenaler Dyskoordination sowie Magenrhythmusstörungen spielen auch neurogene Faktoren eine zentrale Rolle. Hierzu zählen insbesondere Vagusnerv Schädigungen sowie ein Verlust interstitieller Cajal-Zellen, wie er häufig bei Betroffenen mit Diabetes mellitus nachweisbar ist. 

Darüber hinaus tragen zentrale Mechanismen mit gesteigerter viszeraler Sensitivität, veränderter Schmerzverarbeitung und psychischen Belastungen wesentlich zur Symptomatik bei. 

Ätiologisch stehen die idiopathische Form, die diabetische Gastroparese und postoperative Zustände im Vordergrund. Die klinische Präsentation mit Übelkeit, Erbrechen, frühem Sättigungsgefühl, postprandialem Völlegefühl, Schmerzen und Gewichtsverlust resultiert aus dem Zusammenspiel motorischer, sensorischer und zentraler Dysfunktionen. 

Eine Beschleunigung der Magenentleerung allein reduziert die Symptomlast nicht zuverlässig. Zudem ist das klinische Krankheitsbild ausgesprochen heterogen und erfordert ein individualisiertes Therapiekonzept. Die Lebensqualität der Betroffenen ist deutlich eingeschränkt, die Mortalität erhöht, mit einer 5-Jahres-Überlebensrate unter 80 %.

Gastrale Elektrostimulation: Die Enterra™-Therapie

Die Behandlung von Patientinnen und Patienten mit refraktärer Gastroparese ist besonders herausfordernd. Anstelle einer bei hohem Leidensdruck durchzuführenden radikalen Gastrektomie kann alternativ durch die gastrische elektrische Hochfrequenzstimulations-Therapie (Gastric Electric Stimulation, GES) eine symptomatische Besserung erzielt werden. Diese elektrische Magenstimulation (Enterra™-Therapie) mit hochfrequenten, niederenergetischen Reizen wirkt nicht primär über eine direkte Muskelstimulation und beschleunigt die Magenentleerung nicht.

Gastric Electric Stimulation, GES

 

zwei intramuskulär in die Magenwand implantierten Elektroden

 

Die positiven Effekte und die Symptomlinderung entstehen vermutlich durch die Modulation von intestinalen Cajal-Zellen und efferenten und afferenten Nervenbahnen sowie durch Freisetzung von Peptiden. 

Das Enterra™-Therapiesystem besteht aus einem batteriebetriebenen Neurostimulator, zwei intramuskulär in die Magenwand implantierten Elektroden sowie einem externen Programmiergerät. 

Der Neurostimulator wird im Bereich des unteren Abdomens in einer subkutanen Tasche platziert und gibt kontinuierlich schwache elektrische Impulse ab. Zwei Elektroden werden minimal-invasiv in die Magenwand des Corpus eingesetzt (Abb. 1). Der Eingriff erfolgt minimal-invasiv, dauert etwa 90 Minuten und ermöglicht in der Regel eine rasche postoperative Entlassung. 

Nach der Operation kann der Arzt oder die Ärztin die Enterra™ Therapie mit einem handlichen externen Programmiergerät individuell an den Behandelten adaptieren und optimieren. Vorteile gegenüber resektiven Verfahren sind die geringere Invasivität und die Reversibilität, da die Therapie jederzeit nach Bedürfnis ohne weiteren Eingriff aus- oder eingeschaltet werden kann. 

Bei ausbleibendem Therapieerfolg ist eine Explantation problemlos möglich. Die Batterielaufzeit beträgt durchschnittlich sieben Jahre, danach ist ein Aggregatwechsel erforderlich.